Interessantes aus Karlshorster Vergangenheit
Posted on Juni 30th, 2010 by RedaktionDrei große Einrichtungen prägen das Gesicht Karlshorsts
seit mehreren Jahrzehnten. Die älteste und traditionsreichste Sehenswürdigkeit des Stadtteils ist zweifellos die Trabrennbahn. Bereits seit 1894 laufen hier regelmäßig Pferderennen ab. Auch heute noch ist die Bahn für Renn- und Wettfreunde eine feste Adresse.
1895 wurde Karlshorst offiziell zur „Wohncolonie“ erklärt. Die Gründung der Siedlung als Vorwerk des Schlosses Friedrichsfelde geht auf den Schlossbesitzer Carl Sigismund von Treskow zurück, dem zu Ehren man die Karlshorster Hauptstraße nach ihm benannte.
Im Zuge des Zweiten Weltkriegs besetzte die russische Armee den Stadtteil. Am 8. Mai 1945 wurde im ehemaligen deutschen Offizierskasino die bedingungslose Kapitulation der Deutschen unterzeichnet. In dem Gebäude ist heute das Deutsch-Russische Kapitulationsmuseum untergebracht.
Zwei weiterere wichtige Anlieger der Treskowallee sind das Theater und seit 1992 die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), die aus der ehemaligen DDR-Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner“ hervorging und heute die größte Fachhochschule von Berlin-Brandenburg ist. Am Standort Karlshorst studieren Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure und Informatiker.
Seit einigen Jahren kommt Leben in die Siedlung: Die Gründerzeitvillen werden aufwändig restauriert, Neubauten verändern das Zentrum rund um den S-Bahnhof. Kurzum, Karlshorst ist ein Stadtteil, in dem es sich leben lässt!
Die Gründung von Karlshorst
Hinter den Anfängen der Siedlung Karlshorst steht der Großgrundbesitzer Carl Sigismund Treskow, der 1816 das Gut Friedrichsfelde samt Schloss erwarb und an dessen Südrand das Vorwerk Karlshorst anlegte.
Dieser Name wurde 1895 für die neu gegründete Villenkolonie übernommen, die seitdem diesen Namen trägt.
Den Namen Treskow verbindet man noch heute mit Karlshorst, denn nach der Wiedervereinigung erhielt die nach ihm benannte Treskowallee ihren Namen wieder zurück, nachdem sie seit 1961 Hermann-Duncker-Str. geheißen hatte. Allerdings ist ihr Straßenverlauf heute nicht mehr exakt der, den sie seit der Jahrhundertwende hatte.
Die Trabrennbahn und ihre Geschichte
Als Karlshorst 1895 den Status einer „Wohncolonie“ erlangte, war die Trabrennbahn in dessen unmittelbarer Nachbarschaft gerade ein Jahr alt.
Der “Verein für Hindernis-Rennen” suchte seinerzeit nach einer neuen Rennstätte, nachdem sein Pachtvertrag in Charlottenburg ausgelaufen war, und kaufte das Gelände vom Gutsherren Treskow. Ein halbes Jahrhundert lief in Karlshorst sehr erfolgreich der Reitbetrieb, bis ab dem Ende des zweiten Weltkriegs auf Karlshorst als erster deutscher Nachkriegsrennbahn zum Rennen im Sulky übergegangen wurde.
Seit dem Mauerfall steht der Rennbetrieb auf eher wackeligen Füßen, seit Umsatz- und Besucherzahlen nicht mehr die erhofften Ziele erreichen. Durch eine Kooperation mit der Trabrennbahn in Mariendorf soll Abhhilfe geschaffen werden.
Der Zweite Weltkrieg und dessen Ende in Karlshorst
Das Gebäude des Deutsch-Russischen Museums, das ebenfalls seine Heimat in Karlshorst hat, ist überaus geschichtsträchtig.

In den dreißiger Jahren als Offizierskasino der Wehrmacht errichtet, sollte das Haus in der Zwieseler Strasse bald eine gewichtige Rolle in der Weltgeschichte spielen. Am 8. Mai 1945 unterschrieb hier der Generalfeldmarschall Keitel die bedingungslose deutsche Kapitulation. In der Folgezeit residierte die Sowjetische Militäradministration in dem Gebäude, was Karlshorst in der Nachkriegszeit zu einem Zentrum des Russischen Militärs werden ließ.
Das “Museum der bedingungslosen Kapitulation” wurde dort 1967 errichtet, und beleuchtet seit dem Mauerfall mit neuem Konzept und neuem Namen als Deutsch-Russisches Museum Karlshorst alle Aspekte der Deutsch-Russischen Beziehungen in diesem Jahrhundert.
Das Karlshorster Theater
Direkt am S-Bahnhof Karlshorst befindet sich das Theater Karlshorst.

Vor 1945 als Deutsches Haus wegen seiner Gastlichkeit berühmt, wurde das Gebäude an der Treskowallee nach Kriegsende abgerissen, an dieser Stelle das Haus der Offiziere gebaut: Ein Theater im neoklassizistischen Stil. Weltberühmte Künstler wie David Oistrach oder das Ensemble der Peking-Oper standen auf der Bühne. Bis 1963 war das Haus nur den sowjetischen Militär-und Zivilangestellten zugänglich, erst danach auch der Bevölkerung.
Heutzutage hat das Theater, das mit 15 Mitarbeitern diverse Tanz- und Musiktheaterproduktionen zeigt, mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, da vom Land Berlin keine Unterstützung erfolgt und besonders im Winter die Heizkosten überdurchschnittlich hoch sind.
Die Geschichte der HTW
Die HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft) besteht als eigenständige Hochschule seit 1994. In den Jahren davor war sie Bestandteil der Weddinger TFH, in die ihre einzelnen Teile, ursprünglich DDR-Hochschulen, nach dem Mauerfall integriert worden waren. Mehrere Hochschulen samt Studentenschaft und Teilen der Verwaltung gingen in der HTW auf, unter anderem auch die Hochschule für Ökonomie “Bruno Leuschner”, deren Campus das Gelände an der Treskowallee war.

Das Gebäude selbst wurde 1914 als Schulgebäude für ein Gymnasium errichtet und beherbergte die HS für Ökonomie und ihre Vorgänger-Institution seit 1950.
Heute hat die HTW insgesamt beinahe 8.000 Studenten, die allerdings nicht alle in Karlshorst, sondern auch an anderen Standorten der Hochschule studieren. Mit den Plänen für einen Zentralcampus könnte sich das allerdings mittelfristig ändern.
Mit diversen Studentenwohnheimen rund um den Campus und dem Studentenclub “Die Börse”, der direkt im Souterrain der Hochschule liegt, bringt die HTW schon jetzt ein gehöriges Maß an (Studenten-)Leben nach Karlshorst.
Die Königin des Kitsch in Karlshorst
Was vielleicht nicht viele wissen: Die ungekrönte “Königin der Kitschromane”, Hedwig Courts-Mahler, wohnte zwischen 1905 und 1914 in Karlshorst und schrieb hier 19 ihrer Romane. In dieser Zeit hielt sie in ihrem Haus in der Dönhoffstrasse 11 auch regelmäßige Zusammenkünfte für Künstler und Mitglieder der Karlshorster Gesellschaft.
Anlässlich ihres 50. Todestags wurde an ihrem ehemaligen Wohnhaus am 26. November 2000 eine Gedenktafel enthüllt.

Alle Informationen rund um den Kiez an Treskowallee und Ehrlichstraße finden Sie in Karlshorsts "dienstältester" Stadtteil-Seite − ununterbrochen online seit knapp 10 Jahren.

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